Die Sanierung der Wehrbrücke in Hirschhorn ist die klassische unendliche Geschichte. Es ging schief, was nur schiefgehen konnte. Seit drei Jahren wird mit allen Widrigkeiten, die eine solche Baustelle mit sich bringt, daran gewerkelt – open end. Ein untragbarer Zustand, sagt die Hirschhorner SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung und schaltete den hiesigen SPD-Landtagsabgeordneten Rüdiger Holschuh ein. Der bekam Antworten von den zuständigen Stellen auf seine Fragen – nicht immer erfreuliche.
Von der Straßenbaubehörde Hessen Mobil wurde Holschuh gegenüber immer noch das Ende des zweiten Quartals 2026 – also in weniger als einem Jahr – als Fertigstellungstermin genannt. Dieses Datum wird bereits seit einiger Zeit – und immer noch – kommuniziert, jedoch in der Hirschhorner Stadtpolitik angezweifelt.
Allerdings sind noch einige Maßnahmen offen, berichtet Hessen Mobil: So Abtrag der asbesthaltigen Abdichtung, Neuaufbau der Abdichtung und des Fahrbahnbelages, Erneuerung des Korrosionsschutzes der gesamten Brücke und des Geländers sowie umfangreiche Gerüstbauarbeiten. Viel zu tun für ein Jahr inklusive Winterzeit.
Die Kosten explodierten im Zuge der Maßnahme, erfuhr Holschuh. Inzwischen soll die neue Sanierung nach derzeitigem Stand mehr als doppelt so viel kosten: neun Millionen Euro. Zu Beginn waren vier Millionen veranschlagt. Aber zu Beginn ging man auch von einer anderen, viel kürzeren Bauzeit aus. Bisher wurden 4,4 Millionen Euro abgerechnet.
Neben den allgemeinen Steigerungen im Straßen- und Brückenbau sind laut Hessen Mobil die exorbitant angewachsenen Kosten auch auf einen erhöhten Bauumfang zurückzuführen. Bei der Instandsetzung der Wehrbrücke wurden unter anderem auch wichtige Tragwerksteile erneuert, um die Standsicherheit dauerhaft zu gewährleisten, teilt die Behörde mit.
Die beschilderte und offizielle Umleitung für den Kraftfahrzeugverkehr zwischen Hirschhorn und Ersheim erfolgt während der Vollsperrung über Schönbrunn/Moosbrunn und Eberbach im klassifizierten Straßennetz. Diese ist ausreichend leistungsfähig, teilt Hessen Mobil mit. Der Fuß- und Radverkehr hingegen kann die Brücke während der gesamten Bauzeit nutzen.
Die Durchfahrt durch die Brentanostraße ist eine auf Wunsch der Stadt zusätzlich eingerichtete Möglichkeit für Ortskundige mit kleineren Fahrzeugen, so die Antwort weiter. „Diese ist auch nicht im überörtlichen Straßennetz als Umleitung ausgewiesen“, lautet die Auskunft. Die innerörtliche Umleitung könne nicht geändert oder erweitert werden, heißt es auf Holschuhs Frage, ob die Umleitung dem steigenden Aufkommen angepasst werden kann.
Die Höhe der Kosten zur Sanierung der Brentanostraße kann erst nach Ende der Umleitung und anschließender Aufnahme der Schäden beziffert werden, erklärt Hessen Mobil. Der Kreis Bergstraße habe eine Kostenübernahme für die Sanierung der Brentanostraße bisher abgelehnt. Denn: „Diese provisorische Umfahrung wurde auf Wunsch der Stadt Hirschhorn eingerichtet.“ Dies und der Unterhalt der Verkehrssicherung dafür würden vom Kreis bereits übernommen.
Der letzte Punkt sorgte für Stirnrunzeln bei der SPD. Wenn man auch eine solche Argumentation fast schon befürchtet hatte. Allerdings, erklärt der Fraktionsvorsitzende Max Weber, sei zu Beginn die Umleitung für die geplante kurze Bauzeit und die Vollsperrungen von wenigen Wochen gedacht gewesen – und nicht für vier Jahre.
„Da werden wir in harte Verhandlungen einsteigen müssen“, ergänzte der Ortsvereinsvorsitzende Carsten Ahlers. Natürlich wieder mit Holschuh als Unterstützung. Beide erklärten, dass die SPD auf die beiden anderen Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung zugehen wird, damit durch einen gemeinsamen Antrag der Magistrat zu Verhandlungen mit dem Kreis bezüglich der Sanierungskosten beauftragt wird.
